Psychotherapie findet nicht ausschließlich im Einzelsetting statt. Eine therapeutische Gruppe bietet einen besonderen Raum, in dem Menschen nicht nur mit einer Psychotherapeutin, sondern auch mit anderen Menschen an ihren persönlichen Themen arbeiten können.
Viele Erfahrungen, mit denen Menschen in Psychotherapie kommen, haben eine zwischenmenschliche Seite. In einer Gruppe können eigene Muster, Bedürfnisse und Reaktionen nicht nur besprochen, sondern auch unmittelbar im Kontakt mit anderen erlebt und verstanden werden.
Dabei kann es eine besondere Erfahrung sein, Menschen zu begegnen, die ähnliche Erfahrungen machen oder mit vergleichbaren Fragen und Herausforderungen leben. Das Gefühl, mit bestimmten Erlebnissen nicht alleine zu sein, kann entlastend sein. Gleichzeitig ermöglicht die Gruppe unterschiedliche Perspektiven und Rückmeldungen, die über die therapeutische Beziehung im Einzelsetting hinausgehen.
Gruppentherapie kann unter anderem dabei unterstützen,
Dabei bedeutet Gruppentherapie nicht, dass jede Person alles vor der gesamten Gruppe erzählen muss. Die eigenen Grenzen und das individuelle Tempo bleiben jederzeit wichtig.
Ab Jänner 2027 biete ich in meiner Praxis in Wien eine psychotherapeutische Frauengruppe für erwachsene Frauen mit ADHS und/oder Autismus an.
Die AuDHS Frauengruppe ist neuroaffirmativ ausgerichtet. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Erfahrungen der Teilnehmerinnen und die Frage, was sie für ein selbstbestimmtes und stimmiges Leben brauchen.
ADHS und Autismus können das eigene Erleben, die Wahrnehmung, Kommunikation, Beziehungen und den Umgang mit Alltag und Umwelt auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Gleichzeitig sind die Erfahrungen neurodivergenter Frauen sehr vielfältig. Die Gruppe soll deshalb kein Ort sein, an dem bestimmte Verhaltensweisen „wegtherapiert“ werden. Vielmehr geht es darum, eigene Erfahrungen besser zu verstehen, Belastungen und Bedürfnisse ernst zu nehmen, Ressourcen zu entdecken und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Die Gruppe bietet Raum für Austausch, Psychoedukation und psychotherapeutische Arbeit. Auch Erfahrungen wie Masking, Überforderung, Reizempfindlichkeit, Schwierigkeiten mit Selbstorganisation, soziale Erwartungen, Beziehungen oder die Suche nach einer eigenen neurodivergenten Identität können, sofern sie für die jeweilige Teilnehmerin relevant sind, Teil der therapeutischen Arbeit sein.
Eine zusätzliche Diagnose ist selbstverständlich kein Ausschlussgrund für die Teilnahme.
Für wen ist die Gruppe geeignet?
Die AuDHS Frauengruppe richtet sich an erwachsene Frauen mit einer ADHS- und/oder Autismusdiagnose.
Vor der Aufnahme findet ein einmaliges Erstgespräch im Einzelsetting statt. Dieses dient dem gegenseitigen Kennenlernen und dazu, gemeinsam zu klären, ob die Gruppentherapie für Sie passend ist.
Sie müssen für die Teilnahme keine bestimmten Vorkenntnisse über Autismus oder ADHS mitbringen. Ebenso wenig müssen Sie sich bereits intensiv mit Neurodiversität oder neuroaffirmativer Praxis beschäftigt haben.
Wie ist die Gruppe aufgebaut?
Die Gruppe besteht aus 5 bis maximal 10 Teilnehmerinnen und findet wöchentlich für 90 Minuten statt.
Geplant sind zwei mögliche Termine:
Dienstag, 19:15–20:45 Uhr
oder
Donnerstag, 10:45–12:15 Uhr
Nach jeweils zehn Gruppenterminen, also etwa alle 2,5 bis 3 Monate, wird gemeinsam geschaut, wer die Gruppe weiter besuchen, pausieren oder beenden möchte und ob dadurch Plätze für neue Teilnehmerinnen frei werden.
Die Gruppe ist damit nicht als einmaliger Kurs konzipiert, sondern als fortlaufende psychotherapeutische Gruppe mit regelmäßigen Möglichkeiten zur Veränderung der Gruppenzusammensetzung.
Vertraulichkeit und Schweigepflicht
Ein sicherer und vertrauensvoller Rahmen ist eine wesentliche Voraussetzung für Psychotherapie.
Als Psychotherapeutin unterliege ich der gesetzlichen Verschwiegenheitspflicht. Die Inhalte der Gruppentherapie werden selbstverständlich nicht nach außen weitergegeben.
Gleichzeitig ist Gruppentherapie insofern besonders, als neben der Psychotherapeutin auch andere Teilnehmerinnen anwesend sind. Daher gehört zur gemeinsamen Gruppenvereinbarung, dass alle Teilnehmerinnen die Vertraulichkeit wahren und persönliche Informationen, Erlebnisse und Aussagen anderer Gruppenmitglieder nicht außerhalb der Gruppe weitergeben.
Diese gemeinsame Verantwortung für den geschützten Rahmen wird zu Beginn der Gruppe ausführlich besprochen.
Muss ich in der Gruppe über alles sprechen?
Nein.
Eine Gruppentherapie ist kein Ort, an dem Sie gezwungen werden, persönliche Erfahrungen mit der gesamten Gruppe zu teilen. Jede Teilnehmerin entscheidet selbst, was sie erzählen möchte und wann sie sich bereit fühlt, etwas einzubringen.
Gleichzeitig lebt eine Gruppe vom gemeinsamen Kontakt. Es geht daher nicht darum, dauerhaft nur zuzuhören, sondern im eigenen Tempo einen Platz innerhalb der Gruppe zu finden.
Im Erstgespräch können wir auch besprechen, welche Erwartungen oder Befürchtungen Sie gegenüber einer Gruppentherapie haben.
Für Versicherte der ÖGK, BVAEB, SVS, KFA und anderer österreichischer Krankenversicherungsträger ist die Teilnahme kostenlos, sofern nicht gleichzeitig eine andere Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung mit Refundierung durch die Krankenkasse in Anspruch genommen wird.
Wenn gleichzeitig eine solche Behandlung mit Refundierung in Anspruch genommen wird, beträgt das Privathonorar € 65 pro Gruppentermin (90 Minuten).
Auch das notwendige einmalige Erstgespräch wird von der Krankenkasse übernommen und ist somit kostenlos.
Wo findet die Gruppe statt?
Die Gruppentherapie findet in meiner psychotherapeutischen Praxis statt:
Praxis Dr. Anna Binder-Kita
Singerstraße 4/13
4. Stock
1010 Wien